ISA-Newsletter - Oktober 2020

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer der ISA,
 
wenn irgendetwas die Bezeichnung Megatrend verdient, dann ist es die Urbanisierung Chinas. Etwa 60 Prozent der chinesischen Bevölkerung, das sind rund 840 Millionen Menschen, leben heute in Städten. Das Ende dieser Entwicklung ist aller Voraussicht nach noch lange nicht erreicht: In vom Einkommen her vergleichbaren Ländern liegt der Anteil der städtischen Bevölkerung bei 70 Prozent. Daher schätzt die German-Asia Pacific Business Association, dass die Städte Chinas in den kommenden 15 Jahren um mindestens weitere 300 Millionen Menschen wachsen werden. Zum Vergleich: Das entspricht schon annähernd der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung.

Bei dieser Dynamik ist es nicht verwunderlich, dass das Thema "Smart Cities" in China Konjunktur hat. Auch Wirtschaftsförderer der deutschen ISA-Städte haben auf der letzten ISA-Fachkonferenz Interesse an einem Austausch mit chinesischen Partnerstädten zu diesem Thema signalisiert. Angesichts der unterschiedlichen Größenordnungen deutscher und chinesischer Städte stellt sich die Frage nach der Schnittmenge der Interessen beider Seiten. Energieeffizienz im Gebäudebereich oder auch bei der Straßenbeleuchtung, um nur zwei Felder zu nennen, könnte ein Arbeitsfeld sein, das im beiderseitigen Interesse liegt.

China hat sich in der Bekämpfung des Klimawandels ehrgeizige Ziele gesetzt. Präsident Xi Jinping verkündete jüngst das Ziel, bis 2060 klimaneutral zu werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies als ermutigend für ganz Europa bezeichnet und angekündigt, Deutschland werde mit China auf diesem Gebiet zusammenarbeiten. Auch unser ISA-Bündnis kann einen Beitrag dazu leisten.

China plant, bis zum Jahr 2025 fünf Millionen neue Gebäude mit insgesamt 40 Milliarden Quadratmetern Nutzfläche bauen zu lassen. Es wird von großer Bedeutung sein, diese Gebäude von Anfang an energieeffizient zu planen und zu bauen; späterer Umbau ist bekanntlich aufwendig und kann oft nur Stückwerk sein. Deutsche Städte und deutsche Unternehmen haben auf dem Gebiet des energieeffizienten Bauens und Betreibens manches zu bieten: Die ISA-Mitgliedstadt Bottrop zum Beispiel ist als Innovation City deutschlandweite Modellstadt für Umwelt und klimagerechten Stadtumbau. Auch andere ISA-Städte bemühen sich erfolgreich um Energieeffizienz und um den Einsatz von CO2-armer Energie im Baubereich. Die Deutsche Energie Agentur (dena) hat auf diesem Feld weltweit anerkannte Kompetenz und verfügt über China-Erfahrung, die sie in unser Bündnis einbringen kann. 

Smarte Bauteile, vor allem Fenster, Türen, Rollläden, Heizungen und Lüftungsanlagen können drastisch beim Energiesparen helfen. Die deutsche Industrie hat hier einiges zu bieten, was Technik, Komfort und nicht zuletzt Energieeffizienz betrifft. Wer zum Beispiel bei Youtube unter "german windows" nachforscht, wird dazu viel finden.

Liebe Freunde der ISA, liebe Wirtschaftsförderer der Mitgliedstädte,
Coronazeiten bieten die Möglichkeit, neue Konzepte zu entwerfen und Pläne zu schmieden. Wir sind für alle Ihre Anregungen offen und verstehen diese Zeilen als Anregung für Sie: Was genau für Ihre Stadt das Richtige und das Interessanteste ist, können Sie selbst am besten beurteilen.

Die Zusammenarbeit mit unseren chinesischen Partnerstädten bietet auf jeden Fall vielfache Chancen, denn die chinesische Wirtschaft kehrt Schritt für Schritt zu ihren früheren Wachstumsraten zurück. Nachdem sie im ersten Quartal 2020 um 6,8 Prozent geschrumpft war, lag das Wachstum im zweiten Quartal bereits bei 3,2 Prozent und erreichte im dritten Quartal nunmehr sogar 4,9 Prozent. Deutschlands enge Verflechtungen mit der chinesischen Wirtschaft bieten mehr Chancen von dieser schnellen Erholung zu profitieren.

Wir wünschen Ihnen allen Erfolg und ein Stück Gelassenheit, die in diesen Corona-Zeiten noch nützlicher ist als sonst. Wir senden unsere herzlichen Grüße in Ihre Büros oder ins Home Office.
 
Friedhelm Ost                                                Ernst Schwanhold

Staatssekretär a.D.                                      Staatsminister a.D.

9. Plenarversammlung der ISA - Auch als virtueller Austausch erfolgreich

Am 16. Oktober 2020 trafen sich mehr als 20 Vertreter aus 15 deutschen und über
80 Vertreter aus 19 chinesischen Mitgliedsstädten zu ihrer ersten virtuellen Plenarversammlung. Dabei wurde eines klar: Auch in Zeiten der Pandemie halten Deutschland und China zusammen. Für die weitere Zusammenarbeit wurde vereinbart, sich verstärkt digital zu vernetzen – immer mit dem Ziel, weiterhin Kooperationen zwischen chinesischen und deutschen Städten und Unternehmen zu fördern.

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Die neuen Mitgliedsstädte der ISA: Baoding, Huzhou, Luoyang und Xuchang

BAODING 保定市 (Provinz Hebei)

"Baoding bedeutet Schutz und Ruhe“
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Gesamtfläche: 19.000 km2
Gesamtbevölkerung: 9,39 Mio. Einwohner

Industriecluster: moderne Fertigungs-industrie, neue Energien und intelligentes Stromnetz, 
                                         Biomedizin, neue Informationstechnologien

HUZHOU 湖州市 (Provinz Zhejiang)

"Klare Flüsse und grüne Berge sind so wertvoll wie Berge aus Gold und Silber, mit dieser Philosophie gelang Huzhou der Eintritt in die nationale Strategie des Jangtse-Deltas und in die innovative Pilotzone für eine grüne Reform"
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Gesamtfläche: 5.820 km2
Gesamtbevölkerung: 3,06 Mio. Einwohner 
Industriecluster: neue Antriebstechnik für Fahrzeuge, Schlüsselkomponenten, grüne Möbelindustrie, Freizeit und Tourismusindustrie, digitale Wirtschaft, High-End-Geräte u. moderne Textilindustrie 

LUOYANG 洛阳市 (Provinz Henan)
"Luoyang ist eine technologiebasierte Stadt mit großer wissenschaftlicher und technologischer Stärke“

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Gesamtfläche: 15.200 km2
Gesamtbevölkerung: 7,17 Mio. Einwohner

Industriecluster: Maschinenbau, High-End Petrochemie und Informatik

Forschung und Entwicklung: 
14 Forschungseinrichtungen auf der Provinzebene, 14 nationale Technologie-zentren von Unternehmen, 7 nationale Schlüssellabore, 9 nationale technische Forschungszentren sowie über 2.000 Forschungseinrichtungen
 

XUCHANG 许昌市 (Provinz Henan)
"Pilotstadt für minimale Müllerzeugung, Pilotzone für Integration zwischen Stadt und Land sowie Pilotstadt für nationale Standardisierung des öffentlichen Dienstes“
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Gesamtfläche: 4.996 km2

Gesamtbevölkerung: 5 Mio. Einwohner

Industriecluster: weltweit größter Standort für die Produktion von Haarprodukten, größte Produktionsbasis für synthetische Diamanten in Asien, größte Produktions-basis für Aufzüge in Zentral- und Westchina, größte Recyclingbasis für erneuerbare Ressourcen nördlich des Jangtse in China

Weitere Informationen finden zu den neuen Städten finden Sie unter: www.isa-portal.de

ISA-Studie zur technologischen Kooperation von deutschen und chinesischen Unternehmen

Eine Studie des Zentrums für Deutschland-studien an der Beijing Foreign Studies University im Auftrag der ISA zeigt Trends und Differenzen, aber auch Empfehlungen zur Kooperation zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen auf: 

  • Chinesische und deutsche Unter-nehmen unterscheiden sich bei der technologischen Zusammenarbeit in ihrer Zielsetzung: Chinesische Unternehmen erwarten von der Kooperation einen besseren Zugang zum internationalen Markt und eine Verbesserung der Produktqualität. Deutsche Unternehmen wollen Zugang zum chinesischen Markt und ihre Produkte dem chinesischen Markt anpassen. 
     
  • Deutsche und chinesische Unternehmen werden künftig vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung miteinander kooperieren.
  • Das Forscherteam empfiehlt zur Förderung der Kooperationen u.a. eine bessere chinesisch-deutsche Zusammenarbeit in der Hochschul- und Berufsbildung, einen besseren Schutz des geistigen Eigentums in China sowie ein besseres gegenseitiges kulturelles Verständnis.
     
  • Eine erfolgsversprechende technologische Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland ist vor allem in aufstrebenden Industriezweigen wie künstliche Intelligenz, E-Mobilität, autonomes Fahren und unbemannte Produktion zu erwarten.

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IWF-Chefin Kristalina Georgieva sieht positive Entwicklung der chinesischen Wirtschaft

Die Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, hat in ihrer Pressekonferenz am 15. Oktober die Erholung der chinesischen Wirtschaft und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft beleuchtet.
China ist das einzige Land, das im laufenden Jahr ein Wirtschaftswachstum verzeichnen kann. Der IWF, so Georgieva, gehe für 2020 mittlerweile von einem Wachstum von 1,9 Prozent aus, das sei fast 1 Prozentpunkt mehr, als der IWF noch vor einem Monat erwartet habe.
Der Grund für diese positive Entwicklung sei, dass China die Pandemie entschlossen eindämme und gleichzeitig kraftvolle monetäre und fiskalische Anreize gesetzt habe, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Georgieva sagte, für 2021 rechne der IWF mit einem Wachstum der chinesischen Wirtschaft von 8,8 Prozent.
Die Erholung der chinesischen Wirtschaft habe sich positiv auf die Rohstoffpreise und auf rohstoffexportierende Länder ausgewirkt. Daneben komme sie vor allem denjenigen Ländern zugute, die mit China über globale Lieferketten eng verbunden seien. Positiv sei auch, dass China in dem Bemühen, einen Impfstoff gegen COVID-19 zu finden, international zusammenarbeite.

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Chinas Online Handel wächst unaufhaltsam

Am 11. November ist es wieder so weit, der Singles' Day, Chinas legendäres Online-Shopping-Festival, steht wieder vor der Tür. Die großen Online-Anbieter wie TMall, JD.com oder Alibaba stehen bereits in den Start-löchern und erwarten große Gewinne. Sicher werden sie vom Konsumenthusiasmus in der Post-COVID-19 Zeit profitieren. Zahlreiche zusätzliche Kunden konnten während der Corona-Krise hinzugewonnen werden, vor allem viele ältere und weniger technikaffine Menschen. Sie haben nun erfahren, wie hilfreich und einfach das Einkaufen z.B. von Lebensmitteln im Internet sein kann.
So beschert der Online Handel in China ein zweistelliges Wachstum, während der stationäre Einzelhandel das Jahr 2020 mit einem dicken Minus abschließen wird. 
Auch beim grenzüberschreitenden Online Handel ist mit einem großen Plus zu rechnen.
Mehr zu den unterschiedlichen Entwicklungen der Online-Sparten und dazu, welche Strategie deutsche Anbieter von Konsum-gütern, Waren und Dienstleistungen beim Eintritt in den chinesischen Online-Markt anwenden können, erfahren Sie in einem Branchenbericht der GTAI.

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